Tannöd
Die eigenbrötlerische Bauernfamilie Danner wird auf ihrem abseits gelegenen Berghof in Tannöd erschlagen aufgefunden. Es gibt keine Motive, keine Spuren. Im Dorf geht die nackte Angst um. Schlag auf Schlag werden in szenischen Protokollen, Gesprächen und Rückblenden die Gründe für diese Tat aufgespürt, die in tiefe Abhängigkeiten, sexuelles Begehren, Schuld und Verstrickung blicken lassen. Komprimierte, authentische Stellungnahmen von Dorfbewohnern werden mit Aussagen der künftigen Opfer zu einem dramatischen Bericht verflochten, der ein eindringliches Porträt einer bigotten, heuchelnden Gemeinschaft malt.
Schenkels Entscheidung, das Geschehen in die 50er Jahre zu verlegen, verstärkt die Atmosphäre verdrängter Vergangenheit: Sie politisiert, was als private Tragödie hätte abgetan werden können. Blutbad und Familiengeschichte rekonstruiert sie mosaikartig aus ineinander verschnittenen Berichten der Dorfbewohner, inneren Monologen und realistischen Betrachtungen der Geschehnisse. Alle kommen zu Wort, auch der Mörder. Die einzelnen Stimmen mischen sich zu einem Chor aus Lebenden und Toten, Schuldigen und Unschuldigen, Tätern und Opfern, wobei eindeutige Schuldzuweisungen im Verlauf der Geschichte immer schwerer fallen. Die Autorin zeichnet mit brillanter Sprache präzise die Wirklichkeit nach. Abgestoßen und fasziniert zugleich verfolgt der Zuschauer die Weltabgewandtheit, Bigotterie und blinde Obrigkeitshörigkeit, die die Figuren deformieren, ihre Lebenswege bestimmen - und zwangsläufig ins Unglück führen.
Eine Koproduktion mit dem Theater im Pfalzbau Ludwigshafen.
Veranstaltungsort
Großes Haus
Willy-Brandt-Platz 4-5
67657 Kaiserslautern
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